Expats komische Vögel

Es ist August, ich bin im spanischen Sevilla, die Stadt ist seltsam ruhig, es gibt keine großen Ereignisse. Noch ist Sommer, aber am Nachthimmel sieht man schon die ersten Vögel gen Süden fliegen. Sie kehren dem kalten Europa den Rücken zu und begeben sich in ihre warmen Winterquartiere in Afrika. Bald werden auch die Expats alle wieder eintreffen, um den Winter im warmen Süden Europas zu verbringen.

Warum gehen sie nicht auch nach Afrika? Ist es, weil sie in Spanien schon eine nordafrikanische Kultur vorfinden ohne Europa wirklich zu verlassen? Andalusien ist schon ziemlich nah an Afrika und die Maurenherrschaft ist noch mehr als deutlich und gegenwärtig.

Jeder, der nach Sevilla oder Andalusien kommt sieht die herrlichen Paläste und Bauwerke, die von arabischen Baumeistern errichtet wurden, sei es vor der Wiedereroberung oder in den ersten Jahrzehnten danach als man das heutige Südamerika entdeckte und eroberte. Aber nicht nur die Bauwerke und somit die Mehrheit der touristischen Attraktionen sind von der arabischen Epoche gekennzeichnet, auch die Zeit danach stand weiter unter dem arabischen und islamischen Stern.

Denn die Inquisition wütete in Spanien so stark, weil es viele Konvertiere gab, die vermutlich bei einer politischen Wende auch ihren Glauben erneut gewendet hätten. So hängen bis heute in den Bars und Wirtschaften die berühmten Schinken von der Decke, die klar den Genuss von Schweinefleisch bezeugen. Dieser Schinken wird fast angebetet und keiner würde seine Qualität je in Frage stellen. Nichts desto trotz wird der Kaffee auf arabische Art aus dem Glas getrunken. Auch die Fenster sind genau wie in Marokko vergittert, nicht damit niemand einbricht, wie man meinen könnte, sondern damit die Frauen nicht ausbrechen.

Treue, Ehre und Religion werden auf absurde Art und Weise zelebriert, man betrachte nur so zum Vergleich eine Beerdigung oder eine Reaktion auf einen Schicksalsschlag in Afghanistan, Iran oder Nordafrika und dann eine ähnliche Situation in Andalusien. Gibt es einen Unterschied? Nein, maximal die Kleidung unterscheidet sich, aber das ist eine zufällige Äußerlichkeit.

Aber zurück zu den Vögeln und den komischen Vögeln, den Expats. Während die Vögel Sevilla auf ihrem Zug nach Süden ins Winterquartier überqueren, sieht man sie in wundervollen Formationen fliegen, einige geben dazu noch seltsame Geräusche von sich – wackg, wackg, andere sind stumm und werden nur selten bemerkt. Bei den Expats gibt es auch diejenigen, die in Gruppen auftreten und dann die anderen, die ehr still und doch Teil einer sehr gemischten Gruppe sind.

Expats sind komische Vögel, sie verlassen ihre meist zivilisiertere Heimat, um sich neu zu erfinden. Meist ändern sie sich nicht, sie werden nur mehr das, was sie nicht an oder in sich sehen konnten in der alten Heimat. Manche sind Abenteurer suchen die Herausforderung, das Neue, Unbekannte, sie wollen eine Eroberung machen, die Welt verändern, verbessern oder retten, sich selbst verwirklichen… Doch was tun sie wirklich?

Sie leben ihr Leben an einem anderen Ort. Fliehen kann man nicht vor Konventionen und Systemen, vielleicht ist es möglich sie auszutauschen, aber fliehen? Das Neue wird bekannt… Manche Dinge werden aus einer veränderten Perspektive deutlicher, aber sie ändern sich nicht!

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