Reise, Vergangenheit und Kultur

Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. An dieser Aussage ist sicher etwas dran, doch was ist es genau? Angenommen ich fahre im Urlaub nach Andalusien, was werde ich dann sehen? Was wird mir als kulturelle Besonderheit präsentiert?

Die Antwort ist schlicht, mir wird die Vergangenheit präsentiert.

Das wird den einen oder anderen überraschen und zwar zu Recht, denn man geht davon aus die gegenwärtige Kultur eines Landes oder Landstrichs kennen zu lernen, wenn man ihn besucht. Doch das ist im Allgemeinen nicht der Fall. Dem Besucher und Touristen werden Gebäude, Museen und kulturelle Veranstaltungen vorgeführt, die es in dieser Form nur noch für Touristen gibt.

In der Alltagskultur haben sich die Veranstaltungen grundlegend verändert oder ihre Bedeutung hat sich gewandelt. Die gegenwärtige Architektur hat schon lange nichts mehr mit der als typisch präsentierten zu tun. Nur das Museum ist insofern ehrlich, weil es uns sagt, dass die zur Schau gestellten Objekte der Vergangenheit angehören.

Kulturelle Reisen sind leider oft eine Reise in die Vergangenheit ohne dies jedoch bewusst zu machen. Schade, denn wenn man es als das nehmen könnte, was es ist, dann könnte der Umgang mit Kultur einen Aufschwung erleben.

Wieso wird Touristen oder Reisenden immer  die Vergangenheit als Gegenwart und Istzustand präsentiert? Haben die Menschen, Städte und Länder keine Kultur mehr? Fahren nicht die meisten Menschen nach Spanien und Andalusien, um die dortige Kultur kennen zu lernen? War die Vergangenheit denn besser?

In gewisser Weise muss man sagen, dass es die präsentierte Kultur nicht mehr gibt, sie hat zwar noch Auswirkungen auf die Gegenwart, aber das wird besonders in Falle Andalusiens und Spaniens verschwiegen. In Andalusien und Sevilla sind es namentlich das maurische Erbe, die muslimische und arabische Kultur die Touristen als bemerkenswert und typisch präsentiert werden.

Theoretisch sind das Dinge, die heute nicht modern, beliebt oder gefragt sind. Es ist theoretisch eine kritische Auseinandersetzung mit dem maurischen Erbe erforderlich, doch das findet nicht statt. Man glaubt sich davon 1492 befreit zu haben und Ähnlichkeiten werden als Zufälle dargestellt bzw. dem europäischen Einfluss auf die maurische Kultur zugeschrieben. Und alles, was als maurisch benannt wird, erhält einen Schleier, der ein romantisches Bild dieser Epoche heraufbeschwört, das es so vermutlich auch nie gegeben hat.

Diese Sichtweise beweist, dass die Repräsentanten in der Vergangenheit leben, folglich nicht in der Gegenwart sind und dass diese sich nicht für den Fortschritt interessieren, sondern krampfhaft an der Vergangenheit festhalten, deren Fehler sie kennen. Damit beweisen aber auch die Reisenden, dass sie nur Bekanntes sehen möchten und nicht an Neuem interessiert sind.

Was heißt das für unsere Gesellschaft? Treten wir auf der Stelle? Ist die europäische und westliche Kultur am Ende?

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Ein Gedanke zu “Reise, Vergangenheit und Kultur

  1. Vielleicht liegt es daran, dass wir den Sinn für Schönheit durch Kosten-Nutzen-Analysen ersetzt haben. Was wir bauen ist nicht mehr schön, nicht erhaltenswert, genormt und kostengünstig. Der Unterschied zwischen Industriegebäuden des 19. Jhds und den heutigen Flachdach-Hallen deutet zumindest in die Richtung. Bei anderen Gebäuden ist dieser Prozeß auch offensichtlich. Leider.

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