Sichtweisen, wer hat recht?

Wer im Urlaub ist, sieht Dinge, die er sonst nicht sehen würde. Dagegen sieht man die Besonderheiten bald nicht mehr, wenn man länger an einem Ort lebt. Allerdings beginnt man dann andere Dinge zu sehen, die einem bei einem kurzen Besuch entgehen. Wer sieht nun den Ort wirklich?
Das andalusische Sevilla ist seit längerer Zeit mein Wohnort, es ist sicher nicht meine Heimat, ehr schon meine Wahlheimat. Zu Anfang hatte ich noch den Blick des Touristen und mir sind viele Dinge aufgefallen, die ich heute als selbstverständlich abtue. Gleichzeitig sehe ich nun auch viele Dinge, die mir zu Anfang völlig entgangen sind. Dabei bin ich ein guter Beobachter. Doch wenn ich ehrlich bin und mich daran erinnere genau hinzusehen, dann sehe ich auch weiterhin die anderen Dinge.
Typisch für Andalusien ist das gute Wetter, der blaue Himmel, die Menschen verbringen viel Zeit auf der Straße. Olivenöl gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Zum Frühstück isst man es auf den Toast mit Tomate. Dazu gibt es die typischen bitteren Orangen, die als Englische Marmelade an Touristen verkauft wird. Es gibt auch Orangenwein und verschiedene andere Weine, der Manzanilla wird als Aperitif getrunken und zur Feria mit Limonade gemischt wird. Stierkampf gibt es auch noch, auch wenn seine Bedeutung sinkt, außerhalb der Städte sieht man aber noch viele Stiere. In Bars sieht man Plakate oder ausgestopfte Stierköpfe, besondres um die Stierkampfarena herum.
Das Stadtbild von Sevilla wird besonders im historischen Zentrum von Mudejar-Architektur aus maurischer Zeit geprägt, zumindest ist es das, was den meisten Besuchern auffällt. Eine weitere Auffälligkeit sind die Fließen. Hier im Süden heißen die Fließen Azulejos, sie werden nicht nur in Küchen und Bädern oder als Fußböden im Haus verbaut. Es gibt viele tolle Azulejos an Wänden, sei es außen oder drinnen, sie verzieren das tägliche Leben.
Der größte Unterschied ist aber nicht der Gebrauch der Azulejos, sondern ihre Designs. Viele Designs sind traditionelle Muster, die seit maurischer Zeit bestehen. Sie beruhen auf geometrischen Formen und sind somit Abstraktionen, wie man sie im Norden Europas nicht kennt. Die Fließen und Keramikarbeiten werden auch zur Gestaltung von Parks und öffentlichen Plätzen als Brunnen, Sitzbänke und für Zierwände herangezogen. Die Keramik gibt es zwar auch als Gebrauchsgegenstände, aber diese werden aber weniger für den eigenen Gebrauch benutzt.
Doch in all diesen Dingen sieht man nicht das Gebaren und Handeln der Menschen hier. Diese werden beispielsweise in den Kurzgeschichten: Artgenossen im Sinkflug wiedergegeben. Die Geschichten mögen negativ anmuten, der Leser sollte sich dabei aber immer daran erinnern, dass es nur eine der möglichen Perspektiven ist.
Wer im Urlaub ist, sieht Dinge, die er sonst nicht sehen würde. Dagegen sieht man die Besonderheiten bald nicht mehr, wenn man länger an einem Ort lebt. Allerdings beginnt man dann andere Dinge zu sehen, die einem bei einem kurzen Besuch entgehen. Wer sieht nun den Ort wirklich?

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