Wie ein Buchtitel entsteht

Oft werde ich als Autorin gefragt, wie ich auf die Buchtitel komme. Ich kann natürlich nur für mich selbst sprechen, auch wenn ich weiß, dass Kollegen von mir ähnlich vorgehen. Die Antwort ist kurz, das ist unterschiedlich. Gut, das ist keine eindeutige Antwort, aber die Wahrheit.
Etwas ausführlicher muss ich einräumen, dass einige meiner Titel schlicht aus der Überlegung, worum es in dem jeweiligen Text geht, entstanden sind. Dazu schaue ich mir ganz genau an, was ich geschrieben habe, welche Themen angesprochen werden, welche Textarten benutzt werden und welche Problematik angeschnitten wird. Manchmal ergibt sich aus einem der dreien ein guter Titel, manchmal setzt er sich aus allen drei Teilen zusammen. Außerdem mag ich es den Protagonisten schon im Titel klar herauszustellen. Das ist eine Art Tick von mir und eine Art persönlicher Note. Manche Titel sind aber schlicht und ergreifend Einfälle. Einige sind richtig gut und andere bleiben nur als Arbeitstitel erhalten und müssen am Ende des Arbeitsprozesses gegen den endgültigen Buchtitel eingetauscht werden, womit der Prozess der Titelfindung von neuem losginge.
Der Titel für meine zuletzt erschienene Sammlung von Kurzgeschichten gefällt mir sehr gut. „Artgenossen im Sinkflug“ das ist ziemlich kurz und prägnant. Was mir daran besonders gelungen erscheint ist, dass „Artgenossen im Sinkflug“ provokante Kurzgeschichten, die aufgrund ihrer kontroversen Präsentation anziehend wirken betitelt. Und das kommt in diesem Titel schön zur Geltung.
Den Titel habe ich mir einerseits ausgedacht und andererseits ist er teilweise auch eine jener Eingebungen gewesen, die ungewöhnliche Buchtitel ausmachen. Im Kontrast zum Buchtitel sind die Titel der einzelnen Kurzgeschichten kurz und knackig. Sie bestehen immer nur aus einem einzigen Wort, das der Leser in Bezug zum Buchtitel verstehen sollte. So heißt die erste der Geschichten Hirntod, eine weitere heißt Ladrón, wieder eine andere ist mit Touristen betitelt und es gibt auch eine, die Atlantis heißt.
Klar ist, dass ich als Autorin möchte, dass meine Leser die Kurzgeschichten nicht einfach so hinnehmen, sondern sich mit ihnen auseinandersetzen. Titel sind mir wichtig. Viel Spaß beim Lesen von „Artgenossen im Sinkflug“!

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Kurzgeschichten aus dem Süden

In dem Büchlein „Artgenossen im Sinkflug“ sind 4 Kurzgeschichten zusammengetragen worden. Sie alle sind aus der Perspektive und den Erfahrungen von einem in Spanien lebenden Ausländer verfasst worden. Seine kulturelle Andersartigkeit erlaubt es dem Autoren besonders kritisch hinzusehen und zu erkennen, wo es Konfliktpotential gibt. Dieses Konfliktpotential hat die Entstehungsgeschichte des Buches ursächlich verursacht.
In den Geschichten geht es aber um weit mehr als um kulturelle Konflikte, es wird auch die Entstehung der kulturellen reflektiert.
In der ersten Kurzgeschichte „Hirntod“ geht es um einen Mann, der seit 1099 am Leben ist, mit diesem Geburtsdatum erinnert er an El Cid, einen spanischenHelden, der in der spanischen Reconquista erheblichen Anteil hatte und auf beiden Seiten gekämpft hat. Er repräsentiert einen Zeitpunkt in der spanischen Geschichte wie auch ein Identitätsproblem.
Die zweite Kurzgeschichte „Ladrón“ geht auf Erfahrungen von Fremden mit dem Eigentumsbegriff in Spanien und auch Europa ein. Als ein gravierender Unterschied muss es angesehen werden, dass in Spanien der Bestohlene nicht das Opfer ist, sondern wie ein Täter behandelt wird. Wer ein Fenster oder eine Tür öffnet oder offen lässt, gilt als schuldig. Offene Fenster und Türen sind eine Einladungen an Diebe.
„Touristen“ ist die Geschichte eine Beobachters. Der einerseits den zwei vorausgehenden Geschichten einen Rahmen gibt, andererseits auch für sich selbst steht. Das Besondere dieser Geschichte ist die Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven. Der unfreiwillige Urlauber steht dabei für einen nordeuropäischen Workaholic….
Die Geschichte „Es war einmal Atlantis“ könnte einerseits den Auftakt zu dieser Sammlung von Kurzgeschichten bilden oder aber andererseits als düstere Warnung an jeder beliebigen Stelle eingesetzt werden. Sie wurde ans Ende gestellt, weil sie zum Einen aus der Reihe tanzt und zum Anderen.
Viel Spaß beim Lesen!

Meine Kurzgeschichte „Es war einmal Atlantis“

Als Autorin habe ich immer etwas Hemmungen über meine eigenen Veröffentlichungen zu schreiben. Einerseits fürchte ich, dass es mir als Überheblichkeit ausgelegt wird über mich selbst und meine Arbeit zu sprechen, andererseits bin ich auch unsicher, was meine eigene Arbeit angeht. Natürlich ist mir bewusst, dass es vielen Künstlern ähnlich geht und, dass es nötig ist, über meinen Schatten zu springen und es einfach zu tun.

Also, los geht‘s: Die Kurzgeschichte „Es war einmal Atlantis“ habe ich vor einiger Zeit bei Amazon veröffentlicht. Sie ist das Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit dem aktuellen Europa. Aber natürlich ist es kein schlichtes Abbild, sondern eine Angst, die sich in mir breit macht, wenn ich die aktuellen Zustände betrachte und weiterdenke. Kurz und Gut, es wird etwas beschrieben, was meiner Meinung nach verhindert werden muss.
Das Büchlein richtet sich an all diejenigen, die sich zum Einen für Kultur, Geschichte, Politik, Literatur und Bildung interessieren. Und zum Anderen richtet es sich an diejenigen, welche einfach Vergnügen daran haben sich in ungewöhnliche Situationen hineinzudenken, diese in verschiedene Richtungen fortzuspinnen oder versuchen sie wie ein Rätsel lösen. Das Ende soll hier nicht verraten werden, aber soviel sei gesagt, es folgen auf diese Geschichte weitere Facetten der gleichen Geschichte.
„Es war einmal Atlantis“ kommt in der Form eines Märchens daher, auch wenn es kein wirkliches Märchen ist, sondern nur die Erscheinungsform hat. Wie auch im richtigen Märchen wird der Held – Nosiar Kitirk – vor ein scheinbar unlösbares Rätsel gestellt und muss sich ihm entgegenstellen.
Diese Kurzgeschichte ist auch unter dem Einfluss von zwei Werken französischer Autoren entstanden. Es handelt es sich zum Einen um Albert Camus‘ Der Fremde und um Michel Houellebeqcs Plattforme. Sie haben mich beeinflusst, müssen aber weder bekannt sein noch zum Verständnis meines Textes herangezogen werden.

Wie dem auch sei, ich wünsche meinen Lesern viel Spaß und gute Unterhaltung mit dieser kurzen Geschichte.

Facettenauge ist zurück!

Nach einer längeren Schaffenspause meldet sich Facettenauge mit einem neuen Erscheinungsbild zurück. Ab sofort sollen hier wieder regelmäßig Beiträge erscheinen, welche die Welt aus verschiedenen Perspektiven betrachten, in nicht unbedingt alltägliche Sprache packen und so zur Schau stellen. Ideen, Gedanken, Überlegungen und vieles mehr werden fließen.
Eines der hier begleiteten Projekte wird ein Bildband, den Chou-Publishing mit Fotos von D.S. Felix zusammenstellt. Der derzeitige Arbeitstitel ist „Die Ortlosigkeit der Maurischen Gärten“. Das klingt nicht nur schön, sondern bezaubert mit tollen Bildern.
Ein weiteres Projekt sind Kurzgeschichten, welche die Autorin D.S. Felix gerade fertigstellt, um sie noch diesen Sommer zu veröffentlichen. Es sind Geschichten rund um das Thema Mensch sein. Zu viel soll noch nicht verraten werden, aber sie kommen!
Des weiteren wird weiter fieberhaft an einem Buchprojekt gearbeitet, dass es zum Ziel hat ein kulturphilosophisches und kulturpädagogisches Magazinbuch zum Thema Sprache zu schaffen. Da das Projekt aber noch top secret ist, kann noch nicht mehr verraten werden.
Kurz und gut, es ist spannend, vieles kommt auf uns und euch zu… begleitet mich!

Chou-Publishing zu Besuch bei Facettenausge


Chou-Publishing zu Besuch bei Facettenausge

Seit einiger Zeit wird viel über eBook und den Wandel in der Verlagswelt gesprochen. Um diesem Thema einmal genauer auf die Finger zu gucken, hat sich Facettenauge entschieden, die Verlegerin von Chou-Publishing zum Thema zu befragen. Es werden Fragen zum Verlagswesen und zum eBook geben. Wenn Sie Fragen haben sollten, dann schreiben Sie uns an, wir werden versuchen auf alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten. Viel Spaß.

Frau Korte, Sie sind Verlegerin, warum und wie wurden Sie zur Verlegerin?

Das ist eine schwere Antwort auf eine scheinbar leichte Frage.
Ich wusste bereits während meines Studiums, dass ich auch später weiter mit der deutschen und der englischen Sprache arbeiten will. Dazu kam der Kontakt zu Autoren wie D. S. Felix, Dafydd Gibbon und Nadine Romin. Die von uns, die zu dem Zeitpunkt noch studierten, hatten den Wunsch, dem Metier auf jeden Fall treu zu bleiben. Da lagen also die ersten Fäden eines Netzwerkes, das bis heute gut trägt, glücklicherweise bin ich auch heute noch mit diesen Menschen beruflich und auch privat eng verbunden, selbst wenn einige von ihnen ihre eigenen Wege gegangen sind.
Die Ausgangsbasis waren Texte, die in unseren Schubladen schlummerten und die nur noch veröffentlicht werden mussten. Also hab ich mir irgendwann gesagt: Du hast eine kaufmännische Ausbildung, jetzt einen Hochschulabschluss, du hast gesunden Menschenverstand und einen feinen Bestand an Texten. Warum also keinen Verlag?
Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage ist einfacher. Das „Wie“ war nicht mehr so schwer. Ein Netzwerk aus Freunden hat mir dabei geholfen, den Verlag schnell und recht sicher auf seine Beinchen zu stellen. Ich darf ein grandioses Konvertierungsprogramm benutzen, ich habe wundervolle Autoren gewinnen können und das restliche Verlagshandwerk… das war und ist Learning by Doing.

Was hat es mit dem Verlagsnamen Chou-Publishing auf sich? Soll er etwas vermitteln oder hat er für Sie eine bestimmte Bedeutung?

[Lacht] Da hab ich in Amerika meine liebe Not, zu erklären, dass wir keine Chinesen sind.
Drei Dinge, die auch heute noch eng mit mir verbunden sind, die führten zum Verlagsnamen.
Mein Verlagsblog hatte ich schon zu Studienzeiten, das war schon damals mein Blog. Als ich einen Namen dafür suchte, fiel mir ein, wie sehr ich es mag, „mon chouchou“ genannt zu werden. Der Name war aber leider schon vergeben, also wurde es chouchouette. Zudem habe ich zu dem Zeitpunkt an einer Kindergeschichte geschrieben, deren Protagonistin ist eine kleine weiße Eule.
Kosename, Blog, ein weißes Eulchen, das immer wieder „Schuschu“ Laute in meinem Kopf produzierte… da blieb mir doch später gar keine andere Möglichkeit, als mein neues Baby chou-publishing zu nennen.

Haben Sie ein bestimmtes Motto, das Sie mit dem Verlag verfolgen und wenn ja, welches?

Ich will die Menschen wieder zum Lesen bringen.
Das klingt wahrscheinlich zu simpel und zugleich auch größenwahnsinnig.
Chou-publishing soll sich aber in eine Reihe mit denen stellen, die akzeptieren und sich auch darüber freuen, dass neue Zeiten neue Texte brauchen. Unsere Zeiten sind so anspruchsvoll und zeitraubend, dass Bücher einfach kürzer werden müssen. Nur so können Geschichten und Gedanken die Leser erreichen, genug Leser erreichen, dafür sorgen, dass Lesen wieder zur Selbstverständlichkeit und nicht mehr zur seltenen Ausnahme wird.

Wie kommt es, dass Sie sich auf eBooks spezialisiert haben?

Zwei Gründe gibt es, die für das Ebook sprechen.
Der erste Grund ist die Frage nach den Ressourcen. Wie viel Energie braucht ein Baum-Buch? Bäume werden gefällt, Papier produziert, bedruckt, gebunden, ausgeliefert. Wie viel CO2 wird dabei verbraucht? Ich möchte mir das nicht ausrechnen. Ein Ebook wird nur digital erzeugt. Der Autor schreibt am Rechner einen Text, schickt ihn mir per Mail, dann wird er bei uns konvertiert, von hier aus in den Store hochgeladen und die Leser laden die Texte an ihren Rechnern herunter. Da fährt niemand hin und her, da sterben keine Bäume, das ist sauber und ressourcenschonend.
Der zweite Grund basiert teils auch auf dem ersten Grund. Ressourcen. Für den zweiten Grund habe ich ein Beispiel, das ich in dem Kontext gern zitiere. Ein französischer Autor, das Nonplusultra der 90er Jahre, jeder, der auch nur teilgebildet erscheinen wollte, hatte einen dieser Franzosen im Schrank. Ich hab deren sogar drei. Doch habe ich diese Bücher jahrzehntelang nicht mehr angerührt und als ich es schließlich doch wieder getan habe, sind sie schnell in die Verbannung, in den Kellerbücherschrank gewandert.
Neue Texte müssen sich beweisen, sie dürfen nicht schon am Anfang Ressourcen fressen, derer sie sich auf die lange Sicht nicht würdig erweisen. Ich will damit nicht sagen, dass wir Ebook Verlage schlechte Texte produzieren, genauso wenig will ich behaupten, dass der eben erwähnte Franzose zur seiner Zeit nicht absolut lesenswert und inspirierend war. Es gibt aber wenige Texte, die wirklich die Zeiten überdauern können. Warum nicht nur ihnen und zur rechten Zeit, die Ressourcen überlassen, die sie dann wirklich die Zeiten überdauern lassen werden?
Zudem geht Chou-publishing wissentlich viele Risiken ein, wir veröffentlichen, was uns berührt, was uns interessiert, was wir für interessant halten. Ob das in 20 Jahren immer noch in dem Maße der Fall sein wird … ich weiß es nicht, aber ich hoffe es, wir werden sehen und dann, in 20 Jahren, können wir uns vielleicht über die ersten Baum-Bücher von chou-publishing unterhalten. Bis dahin gehen wir den Weg, den wir für den saubereren halten.

Was ist das Besondere an Ihren eBooks? Also, in anderen Worten, worin unterscheiden sich die von Ihnen verlegten eBooks von anderen?

Das Besondere? Es sind kurze Texte, moderne Texte, selbst in die historischen Noveletten von Nadine Romin fließen die Probleme moderner jungen Frauen ein. Auch Texte, die zeitkritisch sind, politisch sind, die werden von uns veröffentlicht. Wir scheuen vor Kassengift nicht zurück, deshalb verlegen wir nicht nur zeitkritische Texte, sondern auch Essays und Poesie.
Unser Layout ist keine eins zu eins Übersetzung von einem Taschenbuch, wir passen das Layout dem jeweiligen Lesegerät an, das Ebook ist für uns kein zu vernachlässigendes Nebenprodukt, wir widmen dem Layout, dem Font und der Optik des Ebooks die Aufmerksamkeit, die es verdient.
Zudem gibt es bei uns kein Lektorat im herkömmlichen Sinne. So ist beispielsweise Syntax Autorensache. Eine von der gängigen Norm abweichende Syntax ist oft ein Erkennungsmerkmal eines Autors. Ich erkenne manche Texte in Zeitungen sofort an der Syntax, da muss ich nicht lang nach dem Verfasser suchen. Das finde ich so wunderbar an Sprache, dass man sie sich ganz zu eigen machen kann.
Deshalb weist unser Lektorat nur auf handwerkliche Fehler hin, Rechtschreibfehler, Redundanzen, all diese kleinen Malheurs, die werden mit dem Autoren besprochen und dann erst geändert. Ich weiß von mindestens einer abweichenden Schreibweise in unseren Büchern, die kein Typo sondern gewollt ist.
Die Texte sollen bei uns sprechen, keine Zwischeninstanzen, denn so wichtig nehmen wir uns als Verlag nun auch nicht.

Was ist Ihr aktuelles Projekt? Wenn es sich um ein Verlagsgeheimnis handelt, müssen Sie natürlich nicht antworten.

Ja, wir sind an etwas ganz Neuem dran. Zumindest in Deutschland, aber leider hat man meist nie allein eine Idee, und die Amerikaner waren wieder einmal schneller als wir, dort gibt es schon die Art von Texten, denen chou-publishing seit Monaten fast seine ganze Aufmerksamkeit widmet.
Es handelt sich um wirklich kurze Texte, Texte, die man locker in der Mittagspause oder in öffentlichen Nahverkehrsmitteln lesen kann. Sie werden weniger kosten als eine Tasse Kaffee, können aber eine Pause lang Lesespaß bringen. Wenn alles so weiter geht [klopft auf Holz], dann werden die ersten schon vor Weihnachten in Apples iBookstore auftauchen.

Das war wirklich ein sehr informatives und spannendes Interview. Vielen Dank für das nette Gespräch Frau Korte.