Der Wunsch die Zeit anzuhalten

„Zeit, die hat man nicht, die nimmt man sich.“ In unzähligen Kursen und Seminaren hatte Denise das gehört. Der Wunsch endlich Zeit zu haben, um all die Sachen zu machen, die immer wieder aufgeschoben wurden, die nie abgeschlossen werden konnten. 

Die Gründe waren und sind, ihrer Aussage gemäß, immer Zeitmangel. Unterscheidet sich ihr Leben denn tatsächlich von dem der Anderen? Sie macht und tut, aber irgendwie fehlt immer der letzte Schritt, um das angefangenen Projekt abzuschließen. Richtig, statt etwas abzuschließen heißt es, das mache ich mit Zeit. Vielleicht ist es gar nicht die fehlende Zeit, sondern die Angst davor etwas abzuschließen und damit der Kritik der Anderen auszusetzen. Denn klar, das, was fertig ist, dass muss sich auch der Kritik stellen, aber unfertige Dinge entziehen sich dieser vorläufig noch. Kann man so ein Leben führen? 

Doch, halt, da kommt ein Virus daher, es ist neu und unbekannt, es hat die Normalität aus dem Leben verbannt. Das Virus schafft Zeit, es gibt plötzlich so viele Dinge, die man nicht mehr machen darf, die vorher viel Zeit gefressen haben. Super, jetzt kann ich endlich all die aufgeschobenen Dinge und Sachen machen. Aber was passiert? Statt endlich zu machen, die Anderen werden lachen, verfolge ich die News, lese online immer wieder die neusten Nachrichten, verfolge life, was sich tut. 

In den Pausen wird geputzt. Hygiene bekommt eine neue Bedeutung. Wir lernen uns wieder die Hände zu waschen. Seife, Chlorreiniger und Desinfektionsmittel füllen nicht nur die Einkaufswagen. Einkaufen, ja, das ist eine wichtige Beschäftigung, Hamsterkäufe, Vorratshaltung, Dinge, die man sonst nie braucht, werden in den Schränken verstaut. Dazu beginnen die Menschen online zu kommunizieren, das soll einer kapieren. Menschen, die sich sonst nie sehen, erinnern sich einander. Online im Video-Chat teilen sie sich mit. Ohne es zu wollen, wird der Tag vom chatten bestimmt. Der Corona-Alltag nimmt jeden mit. 

Die Zeit bleibt gleich – 24 Stunden, aber zum Erledigen der eigenen Sachen, was will man machen, bleiben wir immer nur Sekunden. 

Sollte die Corona-Pandemie nicht der Besinnung dienen? Sollte sie es nicht ermöglichen sich neu aufzustellen und sich zu verbessern? Nichts da. Wir essen all die Dinge, die wir vorher vermieden haben, nehmen zu, lassen den Sport weg, werden rund, hoffentlich bleiben wir gesund. Die Sorge lässt uns zu Schokolade greifen und den Wunsch nach Normalität reifen. 

Doch was passiert wirklich? Besorgnis bremst uns aus. Was ist zu tun? Was ist richtig? Welchen Informationen ist zu vertrauen? Die Fragen häufen sich, während die Antworten weiter fehlen. Wir sind nicht erkrankt, Gott sei Dank. Doch vom Virus sind wir betroffen, da hilft kein Hoffen. Unser Leben ist aus den Fugen geraten, wir können weniger denn je selbst bestimmen, was wir machen. Und so wiederholt sich ohne es zu wollen, die Zeitlosigkeit ad infinitum. 

Denise, du bist stark wie das Meer, schau her! Der Wunsch die Uhr anzuhalten, ist keine Lösung. Setz dich hin und mach all das, was du dir vorgenommen hast. Der einzige Weg ist es zu machen, ganz gleich, was um dich herum geschieht und ja viele Dinge ändern sich, so auch du Denise, drum würdige den Moment und halte ihn in deinen Handlungen fest. Nimm dir die Zeit. 

De-Densification durch Covid19

Städte verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Den Anfang hat die Corona-Pandemie gemacht. Durch Lockdown, Confinement oder Ausgangssperre und Homeoffice haben sich die Bedürfnisse geändert. Wenn das Zuhause plötzlich zum Zentrum des Lebens wird, dann ändern sich die Anforderungen und eine Wohnung in der Stadt hat man schnell satt. 

Die Wohnung macht keinen Sinn mehr, da sie sich zum Gefängnis entwickelt. Die Freiheit im Zentrum des Geschehens zu sein, immer mit wenig Aufwand schnell alles bei der Hand zu haben, Arbeit und Vergnügen außerhalb der eigenen vier Wände stattfinden endet genau dann, wenn die Wohnstatt zum Mittelpunkt des Handelns wird. Das Zuhause muss nun, durch die Corona-Pandemie zum Alleskönner werden. Alle Lebensbereiche, Arbeit und Freizeit, Freunde und Familie, Schule und Bildung, genauso wie all die anderen Kleinigkeiten, die den Alltag ausmachen, muss man jetzt im Zuhause erledigen. Der Einkauf wird zu einem guten Teil online erledigt, viele Menschen arbeiten hauptsächlich von Zuhause aus, natürlich online. Freunde treffen wir auf ein Bier online auf der einen oder anderen Plattform im Video-Chat. 

Klar, dass unter diesen Voraussetzungen sich das Zuhause entsprechend verändern und anpassen muss. Das Schaffen eines Raumes draußen im Freien wird zu einem Drang. Der Drang nach Freiheit wird mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen stärker. Dem Ruf der Wildnis kann mit dem Internet gefolgt werden. 

Durch die Corona-Pandemie wird das Internet nun auch in vorher unzugänglichen Regionen nutzbar. Das Haus mit einem Garten auf dem Dorf wird so plötzlich attraktiv. Inzwischen weiß man, dieser Trend wird sich nicht so schnell ändern, die Pandemie wird bleiben, eine neue Realität ist geschaffen. Manhattan ist verweist, London zählt selbst in entspannten Zeiten nur noch maximal 30 Prozent der vorherigen Auslastung. Büros stehen leer, die örtliche Infrastruktur davon bleibt keine Spur. Veränderung, die man nicht für möglich hielt, ist nun Realität. Jeder der geht, bleibt online und ist nie zu spät. 

Entdichtung oder im mondänen Slang De-Densification ersetzt Nähe durch Distanz. Es ist der Exodus der Innenstädte. Wer es kann, denkt daran und sucht für sich und seine Lieben ein Häuschen im Grünen. 

Corona Etikette

Begrüßung in Zeiten der Corona-Pandemie

In Zeiten der Corona – Pandemie ändert sich vieles, unter anderem die Etikette rund um die Begrüßung und Grußgebärden. Es handelt sich bei der Begrüßung um eine Kultur, die über Grenzen hinweg funktioniert und Menschen einer bestimmten Kultur zuordnen lässt, das heißt es geht weit über die Zugehörigkeit im Kleinen hinaus. 

Wenn wir uns früher zur Begrüßung die Hand gegeben haben, da muss das heute zur Vermeidung einer Ansteckung unterlassen werden. Für viele Menschen fühlt sich das auch nach mehreren Monaten noch unangenehm an. Was kann man da machen, sich auf die asiatische Art leicht vor dem Gegenüber mit vor dem Oberkörper sich berührenden Händen verbeugen? Dazu werden die Hände mit der Innenfläche aneinandergelegt, dabei zeigen die Finger nach oben und dann werden die Hände vor das Herz geführt. Eine angedeutete Verbeugung bildet sicher in förmlichen Situationen eine gute Möglichkeit. Wer Yoga macht, kennt diese Begrüßungsgeste als „Namaste“, sie gilt als hygienisch und freundlich, zudem zentriert sie die Energien für das Treffen. 

Der Drang zur Berührung ist aber gegenwärtig, was kann man da tun? Es gibt diejenigen, die sich jetzt mit dem Ellenbogen berühren, um einen Körperteil, der nicht von den Viren befallen ist zu berühren. Der Gedanke ist löblich, aber wir niesen und husten jetzt in die Ellenbogenbeuge, das lässt diese Art der Begrüßung etwas fragwürdig erscheinen. Trotzdem, es ist positiv in Zeiten von Covid-19 auf ein Händeschütteln zu verzichten, das American Journal of Infection Control befürwortet den Elbow Bump (Ellenbogenberührung), weil es die Übertragung von Krankheitserregern zwischen Menschen erheblich reduziert. 

Andere jedoch wählen eine Art Füßeln, um sich zu begrüßen. Dies Art der Begrüßung wird als „Wuhan Shake“ bezeichnet und wurde schon bei Ausbruch der Corona-Pandemie verbreitet. Die sich begegnenden Menschen geben sich mit den Füßen einen Kick und reichen sich in der Luft symbolisch die Hände. Das mag fragwürdig erscheinen, aber es ist eine andere Art, die besonders unter jüngeren Leuten Anklang zu finden. 

Was ist eigentlich eine Begrüßung? Es ist zunächst ein Ritual, in dem wir dem Gegenüber zeigen, dass wir seine Anwesenheit bemerken und würdigen. 

Es dient einerseits dazu, um ein Gespräch oder eine Begegnung friedlich zu beginnen und andererseits eben auch dazu zu verdeutlichen, dass es um eine friedliche Begegnung geht. Damit soll Vertrauen geschaffen werden und man verdeutlicht dem Gegenüber, dass man die gesellschaftlichen Konventionen kennt und anerkennt. 

Außerdem wird zu erkennen gegeben, dass die Personen ihre soziale Stellung kennen, allerdings hat die Hierarchie stark an Bedeutung verloren. Trotzdem gibt es Begrüßungen und Grußworte, die in bestimmten Gruppen üblich sind und als Erkennungscode die Zusammengehörigkeit unterstützen. Durch seine Kenntnis und Anwendung weisen sich die Grüßenden als Angehörige der Gruppe aus und sondern sich von anderen Menschen ab. Beispielsweise gab es in mittelalterlichen Zünften gebräuchliche Handwerksgrüße, jedes Handwerk hatte seine eigene geheimgehaltene Begrüßungszeremonie. Fremde, die auf alle Fragen die richtigen Antworten entgegnen konnten, wurden in die Gemeinschaft aufgenommen. Das funktioniert in Abwandlung zum Teil bis heute. 

Umarmungen und Küsse zur Begrüßung sind natürlich aktuell Tabu. Es wird abzuwarten sein, ob sich sprachlich etwas an der Begrüßung ändern wird, bei der Verabschiedung wird verstärkt gewünscht, gesund zu bleiben: Bleib gesund! oder Bleibt gesund! Händeschütteln ist ein westlicher Brauch, der aktuell in der Corona-Pandemie nicht praktiziert werden sollte. Aber man kann auch one die Hände zu schütteln höflich sein. In diesem Sinne: Bleibt gesund!