De-Densification durch Covid19

Städte verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Den Anfang hat die Corona-Pandemie gemacht. Durch Lockdown, Confinement oder Ausgangssperre und Homeoffice haben sich die Bedürfnisse geändert. Wenn das Zuhause plötzlich zum Zentrum des Lebens wird, dann ändern sich die Anforderungen und eine Wohnung in der Stadt hat man schnell satt. 

Die Wohnung macht keinen Sinn mehr, da sie sich zum Gefängnis entwickelt. Die Freiheit im Zentrum des Geschehens zu sein, immer mit wenig Aufwand schnell alles bei der Hand zu haben, Arbeit und Vergnügen außerhalb der eigenen vier Wände stattfinden endet genau dann, wenn die Wohnstatt zum Mittelpunkt des Handelns wird. Das Zuhause muss nun, durch die Corona-Pandemie zum Alleskönner werden. Alle Lebensbereiche, Arbeit und Freizeit, Freunde und Familie, Schule und Bildung, genauso wie all die anderen Kleinigkeiten, die den Alltag ausmachen, muss man jetzt im Zuhause erledigen. Der Einkauf wird zu einem guten Teil online erledigt, viele Menschen arbeiten hauptsächlich von Zuhause aus, natürlich online. Freunde treffen wir auf ein Bier online auf der einen oder anderen Plattform im Video-Chat. 

Klar, dass unter diesen Voraussetzungen sich das Zuhause entsprechend verändern und anpassen muss. Das Schaffen eines Raumes draußen im Freien wird zu einem Drang. Der Drang nach Freiheit wird mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen stärker. Dem Ruf der Wildnis kann mit dem Internet gefolgt werden. 

Durch die Corona-Pandemie wird das Internet nun auch in vorher unzugänglichen Regionen nutzbar. Das Haus mit einem Garten auf dem Dorf wird so plötzlich attraktiv. Inzwischen weiß man, dieser Trend wird sich nicht so schnell ändern, die Pandemie wird bleiben, eine neue Realität ist geschaffen. Manhattan ist verweist, London zählt selbst in entspannten Zeiten nur noch maximal 30 Prozent der vorherigen Auslastung. Büros stehen leer, die örtliche Infrastruktur davon bleibt keine Spur. Veränderung, die man nicht für möglich hielt, ist nun Realität. Jeder der geht, bleibt online und ist nie zu spät. 

Entdichtung oder im mondänen Slang De-Densification ersetzt Nähe durch Distanz. Es ist der Exodus der Innenstädte. Wer es kann, denkt daran und sucht für sich und seine Lieben ein Häuschen im Grünen. 

Isolation versus Freiheit

Alltag

In der Isolation wird der Alltag plötzlich unter neue Vorzeichen gestellt. Nichts ist mehr wie es war. Alles ist neu, wenn auch nicht wirklich. Klar, trotz Corona Virus haben wir noch die gleichen Bedürfnisse. Aber wir müssen uns den Alltag neu gestalten. Das kostet Überwindung, denn natürlich haben wir unseren Alltag in einer Art und Weise gestaltet, der uns angenehm ist. Das will niemand freiwillig aufgeben oder ändern.

Tagesroutinen

Dennoch ist es notwendig liebgewonnene Tagesroutinen durch andere und zeitgemäßere zu ersetzen. Manche Dinge sind leichter umzusetzen als andere. Sicher ist es eine Kleinigkeit, sich öfter die Hände zu waschen oder auch die Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife zu waschen. Auch der Abstand zu fremden Personen sollte sowieso eingehalten werden. Das ist nicht weiter bemerkenswert. Aber wenn es dann darum geht Freunde und Bekannte nicht mehr zur Begrüßung zu umarmen oder zu küssen, da wird es schon schwieriger schwieriger.

Social Distancing

Auch wenn es darum geht Orte mit vielen Menschen auf kleinem oder engem Raum zu vermeiden kann das mehr oder weniger einfach bewerkstelligt werden. Sofern derartige Maßnahmen nur kurzfristig einzuhalten sind, ist auch das ok. Doch wenn es auf unabsehbare Zeit stattfindet, dann wird auch das zu einer Belastung.

Kommunikation

Ein wichtiger Aspekt ist für viele Menschen die Kommunikation und da natürlich auch die persönliche Kommunikation untereinander. Wenn es keine oder wenig Kommunikation zwischen den Menschen und mit den Mitmenschen gibt, fühlen sich die betroffenen Personen alleingelassen, es fehlt etwas entscheidendes im Leben. Wenn nun der Alltag so verändert wird, dass die normale zwischenmenschliche Kommunikation nicht mehr wie gewohnt stattfinden kann, dann verursacht das Probleme.

Einsamkeit

Natürlich kann man sich behelfen, es gibt Telefone, wie auch das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten weltweit zu kommunizieren. Damit verbunden gibt es auch die Videokommunikation, aber so richtig ersetzt auch das den Kontakt zu Menschen aus Fleisch und Blut nicht. Einsamkeit und Vereinsamung müssen neu überdacht werden, es war schon vorher ein Problem für viele Mitmenschen, aber jetzt.

Lockdown

Der Lockdown ist ein Ausnahmezustand. Die Dauer ist aber unabsehbar, vermutlich werden es mehr als die zunächst angenommenen 2 Wochen oder 14 Tage. Die Sorge ist eigentlich, was nun aus  der sogenannten Normalität wird. Freiheit und Selbstbestimmung sind zum Wohle der Gemeinschaft extrem eingeschränkt. Wir erfahren, was es heißt gefangen zu sein. Das ist irgendwie absurd oder surreal.