Lesen, aber wozu eigentlich?

Es gibt viele Gründe zu lesen. Doch, wenn man seine Mitmenschen fragt, warum sie lesen oder nicht lesen, dann scheinen sie oft keine konkreten Antworten zu wissen. Also habe ich mir selbst diese Frage gestellt.
Gut, ich bin eine Leserin und kann mich nur schwer in jemanden hineinversetzen, der nicht liest. Trotzdem habe ich es versucht.

Warum Menschen nicht lesen – ein Versuch mich in einen Nicht-Leser hineinzuversetzen.
Viele Menschen lesen nicht, weil sie meinen keine Zeit dafür zu haben. Zahlreiche Menschen sehen lieber fern, dabei können sie vermeintlich besser abschalten. Bücher sind vielen Menschen zu teuer und Bibliotheken scheinbar unbekannt. Oft hört man, dass Bücher langweilig seien.
Ich gestehe, keiner der angeführten Gründe scheint mir eine hinreichende Erklärung zu sein. Warum? Nun, seien wir mal ehrlich, wer lesen möchte, findet die dazu nötige Zeit, schließlich kann man täglich bestimmt 20 bis 30 Minuten zum Lesen nutzen. Fernsehen ist erwiesener Maßen nicht entspannender als Lesen, es gibt sogar wissenschaftliche Studien, die dies bezeugen. Bücher gelten als teuer, für einige Bücher trifft das sicher zu, aber man muss nicht jedes Buch kaufen, es gibt tolle Bibliotheken und Lesezirkel, welche die Kosten gering halten. Jeder, der behauptet, dass Bücher langweilig sind, gibt eigentlich offen zu, dass er sich nie mit Büchern auseinandergesetzt hat. Die Auswahl an Büchern ist so groß, dass es wirklich für jeden etwas gibt.
Meiner Meinung nach liegt die Vermutung nahe, dass diejenigen, welche nicht lesen, nie erfahren haben, was ein Buch bewirken kann. Vielleicht haben sie die falschen Bücher lesen müssen. Es ist auch denkbar, dass sie die Pflichtlektüren nicht verstanden haben. Möglicherweise sind es auch einfach Menschen, die nicht individuell veranlagt sind, wenig oder keine Phantasie haben.

Wozu lese ich?
Lesen ist für mich ein Bedürfnis, wie Essen und Trinken. Ich benötige den Input. Vielleicht bin ich ja komisch, aber ich würde mein Verlangen zu lesen als eine Art Abhängigkeit beschreiben. Lesen gehört zu mir und zu meinem Alltag. Das soll nun aber nicht bedeuten, dass ich es unbewusst täte, nein, im Gegenteil, ich lese sehr bewusst. Ich lese einerseits, um zu entspannen und gegen Stress, aber auch zur individuellen Freizeitgestaltung. Und andererseits lese ich, um mich zu informieren, um meinen Horizont zu erweitern, kurz, um mich weiterzubilden.
Es ist eine ganz bewusste Entscheidung, was ich lese. Nichts desto trotz lese ich, was mir zwischen die Finger kommt. Falls sich das wie ein Widerspruch anhört, versuche ich mich klarer auszudrücken. Jedes Buch und jeder Text, sei er gedruckt, digital oder auf welche Art auch immer dargestellt, lese ich als bewussten Akt. Das heißt, ich stelle mir die Frage, was dieser Text aussagt, wie er zu meinem Weltbild passt oder auch nicht und in letzter Instanz, ob ich ihn für aussagekräftig und somit empfehlenswert halte.

Lesen ist für mich Selbstverwirklichung, eine Art mich in der Welt zu verorten, aber auch um mich selbst darin zu positionieren. Es ist eine Möglichkeit der Identifikation. Ich fände es toll, wenn Nicht-Leser wie auch Leser für sich selbst eine klare Aussage zum Lesen treffen könnten.

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