Nicht jeder ist ein Superstar

Es gibt nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa die Tendenz, dass wir alle Superstars sein können oder auch nur sein wollen. Dabei sollten die Talentshows im Fernsehen zu bester Sendezeit jedem klar zeigen, dass dem nicht so ist. Aber schon in dieser Terminologie zeigt sich, dass Talent und Superstar nicht zwangsläufig zusammengehören, es sind zwei unterschiedliche Begriffe und dahinter stehen zwei Konzepte.

Das heißt, es gibt Shows und Sendungen, die vorgeben nach besonderen Talenten zu suchen, um diese zu Superstars zu küren. Das ist nicht wirklich logisch, denn Talent ist nicht gleichbedeutend mit Superstar. Der Blick in den Duden zeigt, dass Talent eine Begabung bzw. eine Fähigkeit ist, die jemand auf einem bestimmten Gebiet hat. Gut, das ist nicht sonderlich präzise, aber wichtig ist das Wort Begabung. Was ist nach dem Duden denn ein Superstar? Das steht umgangssprachlich für einen besonders großen und berühmten Star oder auf Deutsch Stern, was das Wort Persönlichkeit umschreibt. Eine berühmte Persönlichkeit muss sich nicht zwangsläufig durch Fähigkeiten oder eine Begabung auszeichnen, das kann theoretisch jeder.

Das heißt, dass sich hier zwei Konzepte gegenüberstehen jedoch als eins präsentiert werden. Das ist irreführend. Talent darf man nicht mit Fertigkeiten, Wissen, Können, Geschicklichkeit oder anderen antrainierten Fähigkeiten verwechseln. Natürlich gibt es viele Menschen, welche die eine oder andere Sache besonders gut können, nichts desto trotz muss diese Befähigung kein Talent sein.

Was bedeutet dies jetzt in Bezug auf unsere Gesellschaft? Wir suchen nach Menschen, die etwas gut machen, die aber nicht überdurchschnittlich gut darin sind. Wir machen bzw. wählen diese Menschen zu Stars, obwohl sie nicht überragend sind, sondern ehr dem Mittelmaß entsprechen und wir lassen es zu, dass sie uns öffentlich repräsentieren. Warum? Haben wir nichts Besseres zu bieten? Orientieren wir uns wirklich an den Menschen unserer Gesellschaft, die trotz offensichtlichem Mangel an Talent, Begabung, Fähigkeiten und objektiver Selbsteinschätzung, es wagen zu diesen Shows zu gehen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, uns und unsere Gesellschaft dadurch der Lächerlichkeit preis zu geben und das mit freudig lachenden Gesichtern?

Ist das Absicht? Oder wird das nicht gesehen? Und wer verfolgt damit welche Absicht? Wer sieht was nicht? Wer ist verantwortlich?

Dieses Verhalten und diese Geisteshaltung der Duldung von Mittelmäßigkeit verweist auf einen großen Mangel in unserer Gesellschaft, es mangelt an einer Forderung nach Leistung und Qualität. Leistung und Qualität waren lange das Aushängeschild von Deutschland. Das scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Schade, denn dümmer oder schlechter sind wir unseren Voraussetzungen nach nicht, aber wir nutzen unsere Möglichkeiten nicht mehr oder weniger. Das zeigt sich auch in den Pisa Studien, den Beschwerden der Ausbildungsbetriebe, die Absolventen mancher Schultypen nicht mehr ausbilden wollen oder können und den Universitäten, die sich ebenfalls über mangelndes Vorwissen der Studienanfänger beklagen. Die Leistungen der deutschen Schüler entsprechen nicht mehr den Anforderungen.

Bildung und Mangel scheinen von Talentshows und Superstars verstoßen worden zu sein. Nicht jeder ist ein Superstar und nicht jeder hat Talent, aber jeder hat Fähigkeiten, die es zu fördern gilt und die für die Gesellschaft wichtig sind.

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Ein Gedanke zu “Nicht jeder ist ein Superstar

  1. Liebes Facettenauge,
    danke für Deinen interessanten Artikel.

    Ich stimme Deiner Einschätzung weitgehend zu, möchte aber gern zwei Gegenbeispiele aus meinem Arbeitsumfeld beschreiben, die eine gegensätzliche Tendenz im wissenschaftlichen Bereich erkennen lassen:

    1. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Anfang des Jahres das Motto „Qualität statt Quantität“ zur Förderung wissenschaftlicher Projekte auf Ihre Fahnen geschrieben. Damit soll der zunehmenden Publikationsflut Einhalt geboten werden: „Inhalte sollen geschaffen werden“.

    2. Zur Zeit klaffen die Leistungen zur Erlangung des medizinischen und naturwissenschaftlichen Doktortitels in Deutschland in den meisten Fällen weit auseinander. Interessanterweise genießt aber der medizinische Doktor ein weitaus höheres Prestige in des Gesellschaft. Ich beobachte eine zunehmende Diskussion darüber, die Leistungen zur Erlangung des Dr. med. denen des Dr. rer. nat. anzupassen.

    Beide Besispiele repräsentieren sicherlich nicht die Konsumenten der Talentshows, spiegeln aber doch positive Entwicklungen wider, die mich hoffen lassen, dass Leistung und Qualität auch in Zukunft ein Aushängeschild Deutschlands sein können. Leider wird dieser Anspruch momentan durch die „Politik-Talentshow“ untergraben.

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