eBooks und die Zukunft des Buches

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu, das sorgt dafür, dass viele Menschen zurückblicken oder aber versuchen in die Zukunft zu schauen. Jedoch, das was sie dort sehen, sei es die Zukunft oder auch die Vergangenheit ist doch immer nur das Jetzt und Hier.

Was sehe ich? Nun, ich habe mich während des Jahres 2012 mit eBooks auseinandergesetzt. Das heißt, ich habe mir zunächst einen eReader angeschafft. Dann habe ich begonnen eBooks zu kaufen, downzuloaden und auch zu lesen. Aber das ist noch nicht alles, ich habe auch damit begonnen selbst eBooks zu machen. Klar, ich bin Autorin, als solche schreibe ich Bücher der verschiedensten Art. Demzufolge habe ich gelernt, meine Bücher in eBooks zu formatieren, habe Cover gebastelt und alles zusammen hochgeladen und natürlich zum Kauf angeboten.

Alles kein Problem! Alles kein Problem?

Hier nun meine Erfahrungen und Erkenntnisse:

Bei der Wahl und beim Lesen der eBooks habe ich wie auch bei herkömmlichen Büchern keinen Unterschied gemacht. Kurz, ich lese alles, was mir zwischen die Finger kommt. Also habe ich Klassiker für 0,00€ gekauft, Bücher, die ich in den Shops nicht gefunden habe, so downgeloaded, um sie dann an mein Lesegerät per eMail zu schicken. Natürlich habe ich auch immer ein Auge auf Angebote geworfen, ich habe Bestsellerlisten beobachte…

Dabei habe ich als erstes gelernt, dass die größte Auswahl bei den englischsprachigen Büchern vorhanden ist. Viele deutsche Bücher gibt es noch nicht als eBooks. Französische und spanische eBooks sind prinzipiell teurer, auch gibt es da weniger kostenfreie eBook-Angebote. Aber der Preis ist für mich weniger ein Grund ein Buch nicht zu kaufen. Ich gehöre zu den Verrückten, die ehr ein Buch als Klamotten kaufen.

Den eReader habe ich zur leipziger Buchmesse gekauft, seitdem habe ich 101 eBooks gekauft und diese bis auf 2, die ich nicht beendet habe und 1, das ich noch nicht angefangen habe auch alle gelesen. Die Auswahl umfasst Bücher in meiner Muttersprache Deutsch, in Französisch, Spanisch und Englisch; die Reihenfolge entspricht dem Anteil der Bücher. Die meisten Bücher lese ich also in meiner Muttersprache gefolgt von Französisch und Spanisch, auf dem letzten Platz ist meine Alltags- bzw. Verkehrssprache, Englisch. Wörterbücher habe ich hier nicht mitgezählt. Trotz der gekauften eBooks habe ich auch weiterhin Bücher gekauft, wenn auch weniger.

Wie oben schon angedeutet, es gibt immer noch Bücher, die nicht als eBook existieren. Das betrifft, Neuerscheinungen genauso, wie Bücher älteren Erscheinungsdatums, Klassiker und alle anderen Bücher. Aber auch der Preis kann ein Grund sein, denn es gibt Bücher, die in gedruckter Form billiger sind als das eBook.

Wie auch immer, ich bin an sich für das eBook, nicht nur, weil es so wenig Platz wegnimmt, leicht transportierbar ist und fast überall und zu jeder Zeit gekauft werden kann. Das eBook ist praktisch, spart Papier, Gewicht, Platz und ist leicht käuflich. Der Preis ist kein Argument! Denn mal ehrlich, einige sind zwar kostenfrei erhältlich, die Mehrzahl muss man aber kaufen, wenn es Bestseller sind kosten sie annähernd gleichviel oder etwa 2 € weniger als das gedruckte Buch. Der Preis unterscheidet eBooks nicht von herkömmlichen Büchern und wer das zu erklären versucht, der wird schnell an seine argumentativen Grenzen stoßen.

Aber es gibt erhebliche Unterschiede. Ein Unterschied, der mich oft erschreckt hat und der mir auch beim Erstellen von meinen eigenen eBooks Probleme bereitet hat, ist das Layout oder der Satz. Das Erscheinungsbild von zahlreichen eBooks auch von großen und bekannten Verlagen ist sehr oft sehr schlecht. Oft ist es so schlecht, dass der Lesespaß beeinträchtig wird. Der Textverlauf ist wie unterbrochen, Blocksatz, Absätze, Seiten- und Zeilenumbrüche funktionieren nur unzureichend. Das wirkt einerseits irritierend, es unterbricht aber auch den Lesefluss und kann deshalb nur als leserunfreundlich beschrieben werden. Denn das sind alles Dinge, an die der Leser von herkömmlichen Büchern gewohnt ist, es wird nicht als Luxus, sondern als Standard empfunden. Wenn sie fehlen, dann leidet der Lesefluss, das Lesevergnügen und am Ende wird der Leser selbst fehlen.

Das sollte man bedenken, wenn man hört und liest, dass das eBook bei der breiten Masse noch nicht akzeptiert wird. Meiner Meinung nach ist es nur zu verständlich, denn dem Leser wird für viel Geld ein schlechter Kompromiss lieblos vor die Füsse geworfen. Vermeintliche Leser werden sich nicht nur vom eBook, sondern vermutlich auch vom Buch und dem betreffenden Autor und Verlag ab. Daran sollten Verlage und Autoren denken, wenn sie ein eBook erstellen.

In andern Worten, viele eBooks machen keinen Spaß.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Bei vielen eBooks fehlt ein professionelles Lektorat und Korrektorat. Beide sind wichtig! Allerdings werden beide momentan sehr stiefmütterlich behandelt. Einige eBooks, die ich gekauft habe, waren von der Idee sehr gut und interessant, leider fehlte ihnen das Korrektorat oder das Lektorat und haben daher sehr verloren. Als Vielleser und Autor sehe ich natürlich Dinge, die anderen nicht so klar sind, sie bewerten das Buch dann als schlecht und fertig. Sie werden weniger lesen, weil es keine Freude bereitet, schlechte Erfahrungen haben viel mehr Einfluss auf das Kaufverhalten von Kunden, als zum Beispiel Werbung und gute Erfahrungen. Mit qualitativ schlechten Büchern tut man niemandem einen Gefallen. Es gibt viele Bücher, die sprachlich schlecht umgesetzt oder inkonsequent sind, das kann mit einem Lektorat vermieden werden. Ein Lektor ist sozusagen eine Qualitätsgarantie, natürlich werden auch viele Bücher gedruckt, denen ein gutes Lektorat fehlt. Heftchenromane wurden früher gerne belächelt, dabei sind sie vielen heutigen Veröffentlichungen handwerklich weit überlegen. Gutes Handwerk fehlt leider zu oft.

Leser können bei den meisten online Shops Leseproben bekommen, aber gerade bei kürzeren Texten, sieht man nicht unbedingt den Text. Ein anderes Problem ist es eBooks zu verschenken. Bei wenigen Shops gibt es die Möglichkeit ein bestimmtes eBook zu verschenken, gerade bei den 2 ganz großen Shops ist es derzeit noch unmöglich und nur möglich Wertgutscheine oder Geschenkgutscheine zu verschenken…

Nachdem viel über schlechte eBooks geredet wurde, nun die gute Nachricht, es gibt auch gute eBooks. Es gibt sogar sehr viele. Diese zu finden, ist jedoch nicht ganz einfach, das das Medium an sich neu ist und demzufolge die Erfahrung und zum Teil auch die nötigen Kriterien fehlen. Was einen guten Text oder Roman ausmacht, das ist klar. Die Texte kann man mit de gleichen Kriterien wie bisher auch beurteilen. Und das schließt ein, dass ein Bestseller nicht unbedingt auch ein gutes Buch bzw. Text ist!

Bei der Lesbarkeit rückt beim eBook das Erscheinungsbild wieder stärker in den Vordergrund als beim herkömmlichen Buch und hier fehlen noch allgemeingültige Kriterien. Das heißt, es gibt noch keine Möglichkeit die Formatierung und das Layout, den Satz oder einfach das Erscheinungsbild von eBooks standarisiert zu beurteilen. Es gibt nur sehr wenige Autoren, die ihre Bücher selbst veröffentlichen, die es sich auch leisten können, den Service eines professionellen Programmierers in Anspruch zu nehmen. Aber es gibt einen Verlag, den ich in diesem Zusammenhang nennen möchte, weil er sich auf eBooks spezialisiert hat und auch ein spezielles Programm mit einem Programmierer erarbeitet hat, diese eBooks sind wegweisend. Chou publishing veröffentlicht nur eBooks und keine herkömmlichen Bücher. Hier finden Leser schöne eBooks, die an Lesbarkeit positiv herausstechen. Kurz zusammengefasst, schöne eBooks sind möglich, aber es kostet, Zeit, Mühe und auch Geld.

Geld ist natürlich ein wesentlicher Aspekt, denn wer kann schon ohne es leben? Niemand. Autoren brauchen es genauso wie Verlage, Verleger oder auch der Leser. Das heißt, es muss ein wechselseitiges Verhältnis geschaffen werden, in dem alle Beteiligten ihren Anteil haben. Dieses Verhältnis ist momentan gestört. Das zeigt sich zum Beispiel in der Debatte um das Urheberrecht, das Copyright und natürlich auch bei der Frage, was ein eBook kosten darf. Leider sind viele Menschen der Meinung, dass Inhalte, die im Internet angeboten werden kostenlos sein müssten. Nichts soll etwas kosten, eBooks sollten möglichst allen im Netz kostenlos zugänglich sein. Dabei wird kostenlos und frei meist falsch gebraucht.

Die Idee jedem eBooks und Kultur frei und kostenlos zugänglich zu machen ist nett, aber natürlich unmöglich. Denn wer kann es sich leisten, bzw. wer kann für die anfallenden Kosten aufkommen? Es will keiner und kann auch keiner. Oft wird fäschlich angenommen, dass Autoren von einem Buch ihren Lebensunterhalt bestreiten können, das ist falsch, selbst unter den Bestsellerautoren gibt es viele, die noch einen Brotjob haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und die Rechnungen des Alltags zahlen zu können. Dementsprechend wäre eine Folge von kostenfrei angebotenen Büchern, dass weniger und weniger gute eBooks angeboten würden, die dann vermutlich auch von weniger Lesern gelesen würden. Das Lesen würde verkümmern.

Sicher ist es richtig, dass zahlreiche Autoren aus einem inneren Bedürfnis heraus schreiben und das Schreiben nicht lassen würden, bloß weil sie keine Bücher mehr verkaufen könnten. Nichtsdestotrotz sollte man ihnen ein Überleben mittels ihres Tuns gönnen. Denn mal ehrlich als Künstler reich zu werden ist unwahrscheinlich, selbst ausschließlich davon leben zu können ist heute sehr unwahrscheinlich.

Dem Presse- und Zeitungswesen geht es in dieser Beziehung ähnlich wie dem Buchwesen, sie kämpfen ums Überleben und mit den Neuerungen. Heute gibt es eBooks, eZeitunen und eZeitschriften. Die digitalen Ausgaben entsprechen jedoch nicht den Druckausgaben. Warum wird unterschieden? Warum hat man sich noch kein neues Zahlsystem ausgedacht? Warum fehlen Ideen, wie Leser die online Angebote zahlend nutzen, es gibt noch nicht einmal viele Versuche. Niemand erwartet, dass sofort ein für immer und ewig funktionierendes System eingeführt wird, Tests und Versuche sind völlig normal und durchaus auch akzeptabel. Außerdem wäre es schön zu sehen, wie nicht gegeneinander, sondern miteinander gearbeitet würde. Kunden sollten integriert werden und auch ihre Position und Meinung sagen dürfen. Aber keiner will eine Lösung, sie wollen alle den alten Status erhalten und fürchten sich scheinbar durchschaubar oder angreifbar zu werden. Es ist als hätte das Verlagswesen ein dunkles Geheimnis, dass es hütet und mit dem eigenen Leben beschützt. Wieso ist das so? Warum braucht eine Zeitung neben der Redaktion eine online Redaktion? Das Medium Zeitung bzw. das Medium Buch kann in herkömmlicher gedruckter Form genauso gut sein wie als elektronische Version, man muss es aber wollen. Jedes Medium hat sicher seine Stärken und Schwächen und die sollte man sicher nutzen.

Wichtig bei dem Streit der Medien ist es anzuerkennen, dass jedes Medium seine Vor- und Nachteile hat, aber auch, dass wir als Akteure ihnen ihre Bedeutung geben und dass wir die Arbeit anderer schätzen sollten. Wir sind es, die wir die Medien schaffen. Wenn wir nicht bereit sind etwas zu tun, zu teilen, zu lernen, dann beenden wir die Medien, dann schaffen wir Bücher als Informationsquellen, als Diskussionsplattform und als Unterhaltung ab. Es liegt an uns die Zukunft zu formen.

Das eBook ist eine Möglichkeit, um die Zukunft zu gestalten, wir können sie ergreifen oder anderen überlassen.

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